Transformation durch Rituale - die siebenfältige Puja

Das Herz öffnen und Vertrauen und Hingabe entwickeln

Um seine Emotionen zu verfeinern gibt es prinzipiell drei Wege
•    Kultivierung von gläubigem Vertrauen (Vertrauen plus Hingabe)
•    Genuss höherer Künste (Musik, Theater, Literatur, z.B. Poesie)
•    Eine Kombination von Entwicklung gläubigem Vertrauens und von Poesie
Die Puja geht den letzten dieser drei Wege. Es ist eine Praxis das Herz zu öffnen und sich seinen höchsten Idealen mehr und mehr zu öffnen. Und als Mittel zum Zweck dient die Poesie. Die Puja besteht aus Ausschnitten aus einem alten Text von Shantideva, der in einer wundervollen dichterischen Sprache die Geistesverfassungen eines Menschen beschreibt, der voller Hingabe an die Menschen seinen Weg auf der Suche nach der tieferen Wahrheit und der Erleuchtung geht.  

Poesie

Einigen wird die Wortwahl in dem Text vielleicht etwas schwierig vorkommen, vielleicht etwas blumig wirken.

Ich möchte euch darum bitten euch einmal die Situation vorzustellen in der dieser Puja spielt. Stellt euch ein archaisches Dorf im alten Indien vor welches gehört hat, dass in Kürze ein sehr berühmter und weiser Lehrer kommt. Man hat die Puja in modernere Fassung gebracht. Aber diese Versionen funktionierten nicht so gut wie diese alte Form. Offenbar hat diese höchst poetische und gezielt etwas archaisch und manchmal etwas übertrieben wirkende Form eine besondere Wirkung. Sie kann uns leichter in feinere Sphären des Bewusstseins geleiten, als das dies durch einen pragmatischeren Text geschafft wird. Ein Teil der Wirkung kann auch sein, dass diese Form uns direkt mit Zeit und Ort des Buddhas verbindet und dadurch in sich selbst eine viel größere Dimension birgt als irgendeine moderne Überarbeitung es könnte.

•    Die Ortschaft bereitet sich darauf vor diesen wertgeschätzten Gast zu empfangen und sich selber darauf einzustimmen und im Herzen offen zu sein, die Lehre zu empfangen.
•    Stellt euch die Freude vor, dass bald der Gast kommt, die freudige Aufregung in der das Dorf fein gemacht wird und lasst euch davon anstecken.
•    Stellt euch vor wie die Dorfbewohner sich noch einmal mit ihren Idealen in Kontakt bringen und rezitiert mit ihnen zusammen die Zufluchten und Vorsätze.
•    Hört wie sie ihre eigenen Fehler in Bezug auf ihre Ideale offenbaren und mehr nach ihren Idealen leben wollen und lasst euch davon anstecken mehr von den Dingen zu lassen, die nicht zu euren Idealen passen
•    Hört ihnen zu wie sie das Gute auf der Welt loben und versucht dieses „Ja!“ zum Guten und zur Praxis in euch selbst zu spüren.
•    Hört wie diese Menschen in der Puja voller Ehrfurcht um eine Belehrung bitten und versucht euch selber davon berühren zu lassen und den Wert der buddhistischen Lehre zu spüren.
•    Hört dem Herzsutra zu, welches in der Lesung rezitiert wird und welches die gesamte Lehre des Buddha umfasst. Versucht es nicht zu verstehen, lasst es einfach wirken.
•    Und seht wie im letzten Kapitel der Puja niemand etwas von dem was er geleistet hat für sich behalten will. In der Abgabe der Verdienste wird alles was man für sich erreicht hat an die anderen Wesen abgegeben.

Lasst euch auch nicht beirren durch die manchmal sehr übertrieben wirkende Sprache. Stellt euch lieber Menschen vor, welche in völliger Hingabe und aus einer unglaublich reichen Innenwelt heraus sprechen und für die das was dort gesagt wird ihre persönliche Wirklichkeit ist.
Wenn ihr bei einer Puja mitmachen wollt, dann könnt ihr das auf verschiedene Arten.

  • Ihr könnt einfach nur zuhören und so ein Gefühl dafür bekommen was der Text und die Rezitation durch die Gruppe mit euch macht.
  • Ihr könnt einfach mal testweise mitmachen um selber eine erste Erfahrung mit einer Puja zu machen. Aber seid sicher, später wird es sich anders anfühlen, aber es könnte ein erstes herantasten und experimentieren mit eigenen Erfahrungen sein. Und das wäre völlig o.k.
  • Wenn ihr selber schon ein gewisses Maß an Überzeugung habt, dass der buddhistische Weg etwas für euch ist und ihr euch auf den buddistischen Weg einlassen wollt könnt ihr natürlich auch versuchen euch etwas mehr auf das emotionale Szenario einzulassen, also durch die Puja die hilfreichen spirituellen Faktoren wie freudige Erwartung, In Kontakt kommen mit seinen Idealen, Entfaltung des Wunsches Abstand nehmen vom Unethischen, Bejahung des Guten, Sich der Lehre öffnen, sich einer Lehre zu öffnen und sie in sich wirken zu lassen und letztlich nicht für sich selbst sondern nur zum Wohle alle Menschen erreichen zu wollen.