Coleridge: „Einzig höchste Wahrheiten mögen dem Menschen Ehrfurcht zu gebieten und in ihm zu entfachen. Solche Wahrheiten waren für den Verstand immer ein Geheimnis. „

Vertrauen, Hingabe, Verehrung und das Ausführen von Ritualen sind zentraler Bestandteil aller buddhistischen Richtungen.

Vertrauen

Vertrauen ist eine wichtige Fähigkeit des Menschen, denn ohne Vertrauen bewegen wir uns nicht in neues oder bisher unbekanntes Land. Deshalb ist Vertrauen die Grundlage jeglicher persönlichen Entwicklung. Allerdings sollte dieses Vertrauen nicht blind sein. Im Buddhismus praktiziert man eine Art "intelligentes Vertrauen". Man überprüft, ob sich das was man dort hört oder liest vernünftig ist und begibt sich dann auf den Weg. Und unterwegs überprüft man immer wieder ob das was man wollte oder das was eintreten sollte, tatsächlich geschieht. Und aus dieser Überprüfung kann man dann mit der Zeit ein gesundes tieferes und auf Erfahrung basierendes Vertrauen in seinen Weg schöpfen. 

Vertrauen im spirituellen Sinne ist das Vertrauen und die tiefe Überzeugung bezüglich einer transzendenten, das alltägliche Erleben überschreitenden Erfahrung. Letztlich ist es das Vertrauen darin, dass das persönliche Leid vollständig überwindbar ist und dass es möglich ist den Zustand zu erreichen, der

  • durch völlige innere Freiheit,
  • der liebevollen Verbundenheit mit der Welt
  • und der Überwindung der grundsätzlich falschen Sicht des menschlichen Geistes auf das was er erlebt,

charakterisiert ist. Dieses Vertrauen bezieht sich auch darauf, dass wir uns auf dem Weg befinden durch den dies alles erreichbar ist.  Vertrauen ist mehr als nur einfaches Überzeugt Sein. Es ist eine emotionale Antwort. Etwas das weit über unser rationales Bewusstsein hinausgeht. Es ist die tiefe Überzeugung, Klarsichtigkeit und Sehnsucht hinsichtlich der tiefsten Wahrheiten, die einen besonderen Wert haben und deren Erreichen möglich ist.

Hingabe / Devotion als Ausdruck von Erfahrung

Hingabe ist Ausdruck des Vertrauens in Gedanken, Worten und Taten. Es ist sehr einfach zu denken, dass der Buddha ein großer Lehrer, Denker und Reformer ist. Aber es ist ganz etwas anderes in als einen Erleuchteten anzuerkennen. Aber dafür benötigt man erst einmal selbst tiefere Erfahrungen auf dem buddhistischen Weg. Man hört dann nämlich auf das was man gehört oder gelesen hat in sein eigenes Denken einzubauen, sondern bekommt ein Gefühl dafür, dass man vor etwas größerem steht, was das eigene Denken und Erleben übertrifft. Dann öffnet man sich diesem Ideal und gibt sich einfach hin. Jeder kennt die Geschichten wo ein Mensch aus all seinen früheren Lebensumständen heraustritt und seinem Lehrer dient, ihn umsorgt und sein Leben in den Dienst des Lehrers stellt. Dies zeigt was passieren kann wenn jemand für sich etwas unendlich wertvolles entdeckt hat und sich voller Vertrauen in ein neues Leben hineingibt und sich dem Lehrer hingibt. Diese vollkommene Hingabe an einen Lehrer ist allerdings nur für wenige ein erstrebenswerter Zustand und auch nicht notwendig. 

Wenn wir beginnen uns mit Buddhismus auseinanderzusetzen nähern wir uns den Lehren neugierig, mit Interesse und Offenheit. Später dann kommt bei den meisten eine Phase wo sie glauben verstanden zu haben worum es geht. Weil sie viel gelesen oder gehört haben und auch erste Meditationserfahrungen gemacht haben. Wenn man eine Sache versteht oder glaubt zu verstehen, dann entsteht zumeist so etwas wie Überlegenheitsgefühl, manchmal sogar eine Art der Arroganz / Überheblichkeit. Etwas zu verstehen heißt sich dieses Etwas anzueignen, das Etwas in sich aufzunehmen, in sein eigenes geistiges Gedankengebäude zu integrieren. Es bedeute dieses Etwas sozusagen in Besitz zu nehmen zum Teil des eigenen Selbstes zu machen. Wenn dies geschieht sprechen wir davon, dass wir dieses Etwas beherrschen. Aber etwas was wir in dieser Art und Weise durchdrungen haben, dem können wir keine Hingabe oder Verehrung empfinden. Wenn wir die buddhistische Lehre verstehen könnten wie wir die Betriebsabläufe auf unserer Arbeitsstelle verstehen, dann könnten wir der Lehre gegenüber keine Verehrung empfinden.

Doch irgendwann geschieht es, dass uns die größere Dimension der Lehre und dessen was der Buddha erreicht hat aufgeht, dass wir eine Ahnung davon bekommen, dass wir vor etwas grundsätzlich anderem, höherem stehen. Und dann kommt auch die neue Dimension der Verehrung in uns auf. Das Gefühl der Ehrfurcht, der Verehrung und der Hingabe vor etwas was unser Fassungsvermögen übersteigt. Etwas dessen Einfluss man sich öffnen kann. Etwas das man intuitiv erfassen aber nicht rational ergreifen kann.

Formen der Devotion

1. Einfache Devotion

Schreine zu dekorieren

  • kann eine große ästhetische Freude sein.
  • kann auch in dem Sinne eine Freude sein den Schrein für andere schön zu machen. Aber alle diese Dinge sind Vorläufer tiefer Devotion.

Einfache Devotion öffnet, macht rezeptiv für den Dharma, ist emotional positiv und hilfreich

2. glückselige Devotion

  • Über Verehrung kann man in meditative Zustände der Glückseligkeit geraten.

Devotion im Sinne von bhakti (glückseliger Verehrung) kann etwas sehr wunderbares und emotional erfüllendes sein. Allerdings fehlt hier noch die tiefere Einsicht in das Wesen dessen was man verehrt.

3. Tiefe Devotion

  • Einfache Devotion kommt vor gläubigem Vertrauen.
  • Tiefe Devotion ist das Resultat gläubigen Vertrauens.

Tiefe Devotion ist ruhiger, ernsthafter, bedeutungsvoller, umfassender und ein Ausdruck tieferer Emotionen.

 Hingabe und Devotion als Entwicklungsweg

Hingabe findet ihren Ausdruck in Gedanken, Worten oder Taten. Allerdings befinden wir uns oft noch nicht in dem Zustand, dass Higabe ein natürlicher Ausdruck unserer Erfahrung ist. Dann können wir aber durch bestimmte Gedanken, Worte oder Taten unser gläubiges Vertrauen und unsere Hingabe entwickeln und nähren.

Wir alle wissen wie schwer es ist einer Einsicht (z.B. dass die Buddhistische Vision der Befreiung des Geistes und der Entfesselung des universellen Mitgefühls) eine Tat oder gar ein Veränderung seines Seinszustandes folgen zu lassen (z.B. sein Leben so zu führen dass der Geist befreit und das Mitgefühl zur Grundlage unseres Seins wird). Irgendwie scheint es nicht einfach zu sein aus ganzem Herzen das zu tun was man eigentlich schon längst eingesehen hat. Und das liegt daran, wie wir funktionieren. Eine rationale Einsicht allein bewegt niemanden wirklich sich zu verändern.

Vereinfacht gesagt gibt es drei Bereiche des Lebens, das rationale, das emotionale und das handelnde Leben. Und scheinbar scheint es unmöglich eine rationale Erkenntnis zur Grundlage des Handelns zumachen so lange wir nicht emotional beteiligt sind. Eine Kunst des spirituellen Lebens ist es deshalb unsere Emotionen so auszurichten dass sie unsere Einsichten unterstützen und als Handlungsgrundlage wirksam werden. Emotionen sind das was uns bewegt. Oder anders gesagt: Wir müssen lernen  unsere  Energien zu befreien, zu sammeln und in die richtige Richtung zu lenken. Dies ist der Weg der Entwicklung von Vertrauen und Hingabe.

Rituale

Wenn Handlungen mit dem Zweck ausgeführt werden, sich selbst mit seinen wertvollen Idealen in Kontakt zu bringen, durchgeführt werden um wertvolle Geistesverfassungen zu entwickeln oder Ausdruck der Verehrung von Idealen sind, dann spricht man von Ritualen.

Beispiele für Rituale:

  • Räucherstäbchen und Kerzen anzünden
  • Verbeugungen beim Betreten von Schreinräume
  • Schreinbegrüßung
  • Rezitation der Zufluchten und ethischen Vorsätze für den Alltag
  • Puja (einfache oder siebenfältige Puja)
  • Mantren rezitieren
  • Rezitation des Ti Ratana Vandana (Verehrung der drei Juwelen Buddha, Dharma und Sangha)

  Goethe: „Das schönste Glück des denkenden Menschen ist das Erforschliche zu erforschen und das Unerforschliche zu verehren.“