Umgang des menschlichen Geistes mit unangenehmen Situationen

Alle Menschen erleben mehr oder weniger häufig belastende oder unangenehme Situationen in ihrem Leben. Diese lösen ganz typische geistige Reaktionen aus.

Die übliche Reaktion auf unangenehme Erfahrungen ist das Nicht-Haben-Wollen. Und weil wir diese unangenehmen Erfahrungen nicht haben wollen besitzt der menschliche Geist viele Möglichkeiten um diesem Nicht-Haben-Wollen Ausdruck zu verleihen. Wir fangen an diese unangenehmen Erfahrungen nicht wahr haben zu wollen und gestehen uns gar nicht ein wie unangenehm diese Erfahrung für uns war. Oder wir fangen an uns gegen diese Erfahrungen zur Wehr zu setzen und möglicherweise sogar aggressiv gegenüber anderen zu reagieren. Manchmal funktionieren dies Reaktionsmuster auch, um vorübergehend den Druck zu mindern. Aber meist verhindern diese kurzfristigen Reaktionen auch, dass wir lernen in der Situation angemessen reagieren.

Eine andere mögliche Reaktion des menschlichen Geistes ist, dass - wenn bestimmte belastende Situationen in unserem Leben häufiger wiederkehren - unser Geist anfängt ständig um das Problem herumzukreisen und das Problem nicht mehr loszulassen. In diesem Fall kreisen wir um unsere Probleme, verstärken sie damit das Problem undbeginnen damit uns viele Sorgen zu machen. Oder wir fangen damit an uns häufig innerlich darüber zu beklagen warum ausgerechnet wir diese Probleme haben. Auch dies ist eine für uns höchst schädliche Angewohnheit, da wir uns so angewöhnen in negativen, besorgten oder ängstlichen oder klagenden Gedankenspiralen festzusitzen. Und dabei geschieht etwas sehr Gefährliches. Nämlich dass sie die unangenehmen Zusände (Angst, Sorgen, depressive Stimmungen, Hoffnungslosigkeit) immer weiter verstärken. 

Das Problem ist nun, dass wir diese Muster üblicherweise nicht bewußt wahrnehmen und als schädlich erkennen. Wir glauben, dass man gar nicht anders denken kann, dass das war wir denken und fühlen und auch unsere Reaktionen darauf völlig normal sind. Wir glauben, dass äußere Anlässe das Problem sind anstatt zu erkennen, dass wir selbst und unsere eigenen schädlichen Denkmuster und Reaktionen auf unangenehme Erfahrungen die eigentliche Ursache unserer Probleme sind.

Welche der möglichen schädlichen Wege des Umgangs mit belastenden Situationen wir auswählen und wie stark sie uns negativ beeinflussen hängt von vielen Einflussgrößen ab. So z.B. von unserer biologischen Veranlagung, wie beispielsweise unserem Temperament. Oder welche Einstellung wir zu uns selbst oder der Welt haben. Diese Einstellungen wird durch die Familie und durch Freunde oder Arbeitsplatz und Gesellschaft beeinflusst. Weiterhin wird das Entstehen unserer Reaktionsmuster sehr stark von unseren bisherigen Erfahrungen im Leben und wie wir da mit schwierigen Situationen umgegangen sind beeinflußt.

Im Laufe des Lebens können bestimmte Arten zu reagieren sich regelrecht verfestigen und sich wie ein Korsett über unsere Erlebenswelt legen unduns stark in unserer persönlichen Möglichkeit zu reagieren festlegen und beschränken. Viele der psychischen Erkrankungen entstehen auch auf diese Weise.

Genau an dieser Stellle hat die Übung von Achtsamkeit einen großen Stellenwert. Denn wir können durch Achtsamkeit all diese persönlichen Muster auf unsere Erfahrungen zu reagieren mehr und mehr erkennen und irgendwann in einem späteren Schritt mehr Freiheit in der Auswahl unserer Antworten auf das Leben seine Herausforderungen erreichen. Diese Form der Achtsamkeit bildet auch das Fundament des buddhistischen Übungsweges. Denn das Verstehen der eigenen geistigen Prozesse und wie diese zu unserem Leid und unserem Glück beitragen bzw. zum Leid und Glück anderer beitragen ist ein wichtiger Bausteil buddhistischer Praxis.

Weil die Übung von Achtsamkeit ein sehr effektives Mittel ist sich selbst und andere tiefer in ihren Wünschen, Bedürfnissen und Erleben besser zu verstehen hat sie einen so großen Stellenwert in der Therapie und Prävention von psychischen Problenmen erhalten. Mittlerweile ist die Übung von Achtsamkeit auch in den Bereich der Gesundheitsförderung eingezogen. Nähreres zu diesem Themenbereich findet man hier. Allerdings ist es wichtig zu verstehen, dass diese Form der Achtsamkeit nur ein Teilbereich dessen ist, wozu Achtsamkeit im Rahmen des buddhistischen spirituellen Übungsweges eingesetzt wird.